Gaussian Splatting oder Photogrammetrie?

3D Gaussian Splatting und Photogrammetrie können aus sehr ähnlichem Bildmaterial entstehen, verfolgen aber unterschiedliche Ziele. Photogrammetrie wird typischerweise eingesetzt, um aus Fotografien eine geometrisch rekonstruierte Punktwolke und daraus ein Oberflächenmodell mit Texturen abzuleiten. Gaussian Splatting optimiert dagegen eine räumliche Darstellung dafür, neue fotorealistische Ansichten der aufgenommenen Szene zu rendern.

Was ist der wichtigste Unterschied?

Bei der Photogrammetrie steht eine explizite Geometrie im Mittelpunkt. Das resultierende Mesh kann vermessen, bereinigt, retopologisiert, geschnitten, weiter modelliert oder für technische Folgeprozesse exportiert werden. Bei Gaussian Splatting steht stärker die visuelle Wiedergabe im Mittelpunkt. Die Szene kann sehr überzeugend aussehen, ohne dass an jeder Stelle eine sauber definierte Oberfläche existiert.

Wann ist Photogrammetrie im Kulturerbe sinnvoller?

Wenn Maßhaltigkeit, Geometrie, Oberflächenanalyse, Restaurierungsplanung, 3D-Druck oder die Weiterverarbeitung in CAD- und DCC-Systemen wichtig sind, ist eine klassische geometrische Datengrundlage meist geeigneter. Das gilt besonders dann, wenn ein Objekt nicht nur betrachtet, sondern wissenschaftlich untersucht oder konstruktiv weiterbearbeitet werden soll.

Wann spielt Gaussian Splatting seine Stärke aus?

Gaussian Splatting ist interessant, wenn der fotografische Raumeindruck im Vordergrund steht. Komplexe Oberflächen, Vegetation, kleinteilige Ausstattungen oder schwer zu modellierende visuelle Details können sehr überzeugend wiedergegeben werden. Dadurch lassen sich reale Orte mit vergleichsweise direktem Aufnahme-Workflow für virtuelle Rundgänge und immersive Präsentationen erfassen.

Kann man beide Verfahren kombinieren?

Ja. Gerade für Museums- und Kulturerbeprojekte kann ein hybrider Ansatz sinnvoll sein. Vermessung, Photogrammetrie oder Laserscan liefern eine geometrisch belastbare Basis. Gaussian Splatting kann zusätzlich den fotografischen Eindruck des Bestands konservieren. Für eine historische Rekonstruktion kann anschließend ein separates, strukturiertes 3D-Modell auf Grundlage dieser Dokumentation und weiterer Quellen entstehen.

Warum ist diese Trennung wichtig?

Ein fotorealistisches Ergebnis vermittelt schnell den Eindruck hoher wissenschaftlicher Genauigkeit. Doch fotorealistische Erscheinung und geometrische Belastbarkeit sind zwei verschiedene Eigenschaften. Bei Archaeologica unterscheiden wir deshalb zwischen Dokumentation des heutigen Zustands, geometrischem 3D-Modell und historischer Rekonstruktion eines früheren Zustands.

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