Was ist ein digitaler Zwilling im Kulturerbe?
Der Begriff „Digitaler Zwilling“ wird sehr unterschiedlich verwendet. Im Kulturerbe kann er ein digitales 3D-Abbild eines vorhandenen Gebäudes, Objekts oder Geländes bezeichnen, das mit weiteren Informationen verbunden wird. Entscheidend ist die Abgrenzung zur historischen Rekonstruktion: Der digitale Zwilling beschreibt zunächst einen vorhandenen Zustand; die Rekonstruktion visualisiert einen früheren oder nicht mehr vollständig erhaltenen Zustand.
Welche Daten können Bestandteil sein?
Je nach Zielsetzung kann ein digitaler Zwilling aus Vermessungsdaten, Photogrammetrie, Laserscans, CAD- oder 3D-Geometrie, Texturen, historischen Plänen, Zustandsinformationen und Metadaten bestehen. Ein Modell kann beispielsweise einzelne Bauteile, Räume oder Fundstellen mit weiterführenden Dokumenten verknüpfen.
Was bringt das für historische Gebäude?
Ein digitaler Bestandsdatensatz kann die Dokumentation, Planung und Vermittlung miteinander verbinden. Für ein Baudenkmal lässt sich der heutige Zustand räumlich erfassen; darauf aufbauend können frühere Bauphasen separat rekonstruiert werden. Besucher sehen dadurch nicht nur „ein 3D-Modell“, sondern können nachvollziehen, wie sich ein Ort verändert hat.
Digitaler Zwilling oder schönes Rendering?
Ein Rendering ist eine erzeugte Ansicht. Ein digitaler Zwilling ist dagegen ein strukturierter Datensatz beziehungsweise ein Modell, aus dem unterschiedliche Ansichten und Anwendungen entstehen können. Für viele Kulturprojekte ist gerade diese Wiederverwendbarkeit interessant: Der gleiche Bestand kann für Film, Ausstellung, Web-3D, AR, VR oder wissenschaftliche Abstimmungen aufbereitet werden.
Wann lohnt sich der Ansatz?
Besonders sinnvoll ist er, wenn Daten langfristig nutzbar bleiben sollen, mehrere Medien geplant sind oder ein Objekt über Jahre dokumentiert und vermittelt wird. Archaeologica betrachtet digitale Zwillinge deshalb nicht als Selbstzweck, sondern als mögliche technische Basis für historische Visualisierung und digitale Vermittlung.
Siehe auch: Wie lassen sich 3D-Modelle mehrfach nutzen?
