Wie kann Gaussian Splatting im Kulturerbe eingesetzt werden?

Historische Orte sind visuell komplex. Mauern, Verwitterung, Vegetation, Innenausstattungen, Reflexionen und unregelmäßige Oberflächen lassen sich mit klassischen Echtzeitmodellen nur mit erheblichem Aufwand originalgetreu nachbilden. 3D Gaussian Splatting eröffnet hier einen anderen Weg: Der reale Zustand wird fotografisch aufgenommen und als räumlich navigierbare Darstellung wiedergegeben.

Welche Orte eignen sich?

Interessant sind unter anderem historische Innenräume, Ruinen, Denkmale, archäologische Areale, Ausstellungen, Depots, technische Anlagen und Kulturlandschaften. Auch temporäre Situationen können erfasst werden: etwa eine Ausstellung vor dem Umbau, ein Grabungszustand oder ein Raum, der später nicht mehr öffentlich zugänglich ist.

Was ist der Vorteil für die Vermittlung?

Ein Splat kann den visuellen Eindruck eines realen Ortes sehr unmittelbar transportieren. Für Besucher, die einen Ort nicht erreichen können, entstehen virtuelle Zugänge. Vor Ort können digitale Ansichten Bereiche erschließen, die aus konservatorischen, räumlichen oder sicherheitstechnischen Gründen nicht zugänglich sind.

Kann man damit Vergangenheit rekonstruieren?

Ein Gaussian Splat bildet zunächst den aufgenommenen Zustand ab. Eine historische Rekonstruktion ergänzt dagegen nicht mehr vorhandene Architektur und Ausstattung auf Grundlage von Quellen und Hypothesen. Beides darf nicht verwechselt werden. Ein möglicher Workflow besteht darin, den heutigen Zustand als Splat zu dokumentieren und verlorene historische Zustände daneben oder darüber als klassisch modellierte Rekonstruktion zu zeigen.

Wie können Splats und Rekonstruktionen zusammenwirken?

Gerade der direkte Vergleich ist spannend: heutiger Bestand, dokumentierter Befund und rekonstruierter historischer Zustand können unterschiedliche Ebenen einer Vermittlung bilden. So wird sichtbar, was tatsächlich vorhanden ist und welche Teile wissenschaftlich ergänzt wurden. Diese Transparenz ist für Archaeologica wichtiger als ein möglichst spektakulärer Technikeffekt.

Ist Gaussian Splatting ein digitales Archiv?

Es kann Teil eines digitalen Dokumentationsbestands sein, sollte aber nicht automatisch als alleinige Langzeit- oder Messgrundlage betrachtet werden. Für dauerhafte wissenschaftliche Nutzung sind zusätzlich Rohbilder, Kameradaten, Vermessungsinformationen, Punktwolken und gegebenenfalls klassische Meshes sinnvoll. Die Projektarchitektur sollte daher schon vor der Aufnahme klären, welche Informationen langfristig erhalten und weiterverwendet werden sollen.

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