Wie werden Museumsobjekte in 3D digitalisiert?

Die 3D-Digitalisierung eines Museumsobjekts erzeugt ein räumliches digitales Abbild seiner sichtbaren Form und – je nach Verfahren – auch seiner Oberflächen. Solche Datensätze können der Dokumentation dienen, aber ebenso Ausgangspunkt für Visualisierung, Forschung und digitale Vermittlung sein. Entscheidend ist deshalb nicht allein die möglichst hohe Auflösung, sondern die Frage, wofür die Daten später genutzt werden sollen.

Welche Verfahren kommen infrage?

Für Kulturgut werden vor allem Photogrammetrie, strukturierte Lichtverfahren und Laserscanning eingesetzt. Photogrammetrie rekonstruiert Geometrie und Textur aus vielen überlappenden Fotografien. Scanner können Geometrie sehr präzise erfassen. Welches Verfahren sinnvoll ist, hängt von Größe, Material, Oberfläche, Zugänglichkeit und dem gewünschten Ergebnis ab. Stark glänzende, transparente oder sehr feine Objekte stellen andere Anforderungen als Stein, Holz oder Keramik.

Was entsteht nach der Aufnahme?

Die Rohdaten sind selten schon ein fertiges Vermittlungsmodell. Punktwolken oder hochaufgelöste Meshes müssen geprüft, bereinigt, geschlossen und gegebenenfalls retopologisiert werden. Für Web, Echtzeit-3D, AR oder VR wird meist eine optimierte Version benötigt. Ein wissenschaftliches Archivmodell und ein performantes Besuchermodell können deshalb aus demselben Ausgangsdatensatz entstehen, aber technisch unterschiedlich aufgebaut sein.

Wann wird aus Digitalisierung Rekonstruktion?

Digitalisierung dokumentiert primär den vorhandenen Zustand. Rekonstruktion ergänzt dagegen verlorene, beschädigte oder nicht mehr vorhandene Bereiche auf Grundlage von Quellen und Hypothesen. Bei einem Fragment kann daher zunächst der Ist-Zustand digitalisiert und anschließend in einer zweiten Modellversion eine plausible historische Ergänzung aufgebaut werden. Diese Trennung macht nachvollziehbar, was beobachtet und was rekonstruiert wurde.

Wofür kann ein digitalisiertes Objekt genutzt werden?

Je nach Projekt lassen sich daraus hochauflösende Abbildungen, Animationen, digitale Vitrinen, interaktive Web-Modelle, AR- und VR-Anwendungen, wissenschaftliche Vergleichsansichten oder Daten für einen 3D-Druck ableiten. Archaeologica plant solche Datenketten deshalb möglichst vom späteren Nutzungsszenario her: Ein Modell sollte nicht nur für eine einzelne Präsentation funktionieren, sondern – wenn das Projekt es erlaubt – langfristig weiterverwendbar bleiben.

Mehr dazu: Photogrammetrie oder Rekonstruktion? und 3D-Modelle mehrfach nutzen.

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